Der Mord an dem Klavierhändler Lichtenstein
Am 26. Februar 1904 wurde der angesehene Klavierhändler Hermann Lichtenstein um die Mittagszeit in seinen Geschäftsräumen Zeil 69, unmittelbar hinter der Katharinenkirche überfallen und dabei getötet und ausgeraubt. Er wurde von einem Kunden gefunden, der um diese Zeit mit Lichtenstein einen Termin vereinbart hatte. Bei dem Kunden handelte es sich um einen berühmten Pianisten, der im Frankfurter Hof abgestiegen war.
Er fand den Toten in einer großen Blutlache am Boden liegend. Um seinen Hals war ein dickes Seil gewickelt. Der erschrockene Besucher rief sofort weitere Hausbewohner herbei und verständigte die Polizei. Am Tatort fand die Mordkommission weiterhin blutverschmierte Fingerabdrücke, die nicht von Lichtenstein stammten. Auf einer am Boden liegenden Postkarte konnte der Abdruck eines Absatzes, der fälschlich einem Frauenschuh zugeordnet wurde, was sich später jedoch als ein Irrtum herausstellte, gesichert werden.
Bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung wurde festgestellt, dass die Leiche am Kopf schwere Verletzungen aufwies, die von einem scharfkantigen Gegenstand herrührten. Als Tatwerkzeug kam ein 2kg Gewichtstein in Frage, den man am Tatort direkt neben dem Toten gefunden hatte. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass neben Bargeld eine goldene Ankeruhr mit Schlüsselaufzug sowie eine Goldkette und Brillantschmuck geraubt wurden.
Die Kriminalpolizei leitete sofort eine Fahndung ein, wobei sie davon ausging dass es sich mindestens um zwei Täter gehandelt haben muss. Dafür sprach, dass der kräftige Lichtenstein mit einem einzelnen Räuber mühelos fertig geworden wäre.
Bereits nach kurzer Zeit konnte ein Tatverdächtiger festgenommen werden. Der Verdacht fiel auf Bruno Groß, der früher einmal bei Lichtenstein als Klaviertransporteur gearbeitet hatte.
Er machte sich dadurch verdächtigt, dass er in einem Seilergeschäft und in einer Eisenwarenhandlung die Tatwerkzeuge, den 2kg Gewichtstein und das Seil, gekauft hatte. Auch konnte man ihm nachweisen, dass er eine blutverschmierte Hose mit Salmiakgeist gereinigt hatte. Aber Groß stritt energisch die Tat ab und berief sich auf zweifelhafte Alibis.
Mit Hochdruck fahndete die Kripo nach einem möglichen zweiten Täter. Dabei stieß sie in Offenbach auf den Pferdeknecht Friedrich Stafforst, der wiederholt zusammen mit Groß gesehen wurde.
Doch Stafforst war geflüchtet und hielt sich in Hamburg auf und versuchte mit einem Schiff nach Amerika zu entkommen.
Die Fahndung wurde jetzt über die Stadtgrenzen hinaus ausgedehnt. In jeder Polizeistation hingen Fahndungsplakate mit der Fotografie von Stafforst.
Durch Zufall begegnete Stafforst auf der Straße einem früheren Vermieter, dem er noch Geld schuldete. Da Stafforst die Zahlung verweigerte, ließ ihn der Vermieter durch einen Schutzmann festnehmen. Auf der Wache wurde er von den Beamten erkannt und festgenommen. Bei der körperlichen Durchsuchung wurde die bei Lichtenstein geraubte goldene Uhrenkette gefunden. Durch den Hinweis eines Kutschers gelang es der Kriminalpolizei, die Wohnung des Festgenommen ausfindig zu machen. Dort kamen alle bei Lichtenstein geraubten Gegenstände wieder zum Vorschein.. Stafforst war mit seinen Nerven am Ende und gab zu, zusammen mit Bruno Groß den Klavierhändler getötet und ausgeraubt zu haben. Er wurde nach Frankfurt gebracht und Groß gegenübergestellt. Nachdem dieser erkannte, dass Leugnen jetzt keinen Sinn mehr hatte, legte auch er ein umfassendes Geständnis ab.
Am 16. Mai begann vor dem Frankfurter Schwurgericht die Hauptverhandlung. Beide Täter wurden des Mordes überführt und zum Tode verurteilt. Sie starben am 12. November 1904 im Gefängnis Preungsheim durch das Henkersbeil. Die Tat hatte in Frankfurt für große Aufregung gesorgt und noch lange Jahre danach sprach man von diesem scheußlichen Verbrechen.

