Nationalsozialistischer Terror nach der Machtübernahme
Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) in Frankfurt am Main
Die Nationalsozialisten auf dem Wege zur Macht
Nachdem es am 31. Januar 1933 den Nationalsozialisten infolge einer Intrige des ehemaligen Reichskanzlers Franz von Papen gelungen war, mit Adolf Hitler, Hermann Göring und Wilhelm Frick das Regierungskabinett mit drei Ministerposten zu besetzen, standen dem künftigen Naziterror Tür und Tor offen. Die künftige Grausamkeit des Regimes lagen damals noch außerhalb jeder Vorstellungskraft..
Diesen schon nicht mehr erhofften Fuß in der Tür nutzten die Nazis zu einer völligen Machtübernahme, die zur Errichtung einer Diktatur geführt hatte.
Zug um Zug gelang es Hitler, die demokratischen Regierungsmitglieder auszumanövrieren. Der greise Reichspräsident Hindenburg ernannte Hitler unter dem Druck seiner Berater und nicht ohne Bedenken zum Reichskanzler sowie Franz von Papen zum Vizekanzler.
Adolf Hitlers politisches Konzept war von Anfang an auf eine Alleinherrschaft ausgerichtet. Es kam ihm in erster Linie darauf an, seine noch nicht völlig in seinen Händen befindliche Macht nach Außen und Innen abzusichern.
Einer seiner wichtigsten Helfer war Hermann Göring. Als Preußischer Innenminister unterstellte er die SA der Preußischen Polizei. Das gesamte Polizeiwesen befand sich vor einem großen Umbruch. Alle leitenden Polizeidienststellen wurden mit hohen SA und SS-Führern besetzt.
Nach. dem Röhmputsch im Juni 1934 ging. das gesamte Polizeiwesen in die Zuständigkeit der SS über. Die vordringlichste Aufgabe dieses neuen Sicherheitsapparates war die Überwachung von oppositionellen Gruppen und Personen, von denen Widerstand und Regimefeindlichkeit zu befürchten waren.
Bereits am 26. April erließ Hermann Göring ein Gesetz zur Gründung eines Geheimen Staatspolizeiamtes (Gestapa), aus dem später die Geheime Staatspolizei (Gestapo) hervorging. Die Polizei in Preußen war von nun an der Staatspolizei unterstellt.
Um die Übernahme des Sicherheitsapparates gab es zwischen der preußischen Regierung und Heinrich Himmler aufreibende Machtkämpfe. Diesem ging es vor allem darum, die Staatspolizei in die Zuständigkeit der SS zu überführen.. Einer seiner größten Gegenspieler war Hermann Göring, der bei Hitler im hohen Ansehen stand.
Ausschaltung der demokratischen Parteien und Bekämpfung der Opposition. Verwirklichung der Alleinherrschaft.
Die größte Gefahr sahen die Nazis in der Kommunistischen Partei. Mit ihren 250 000 Anhängern und 4000 politischen Zellen wären diese in der Lage gewesen, einen möglichen Umsturz zu inszenieren. Hauptziel der Nationalsozialisten war es, diesen gefährlichen Gegner auszuschalten. Man befürchtete von dieser Seite einen ähnlichen Umsturz, wie im Jahre 1917, der in Russland zum Sturz des Zarenregimes geführt hatte.
Der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 wurde durch eine geschickte Propaganda den Kommunisten angelastet, wofür es keinerlei Beweise gab. Vermutungen deuteten daraufhin, dass Göring der Initiator gewesen sei.
Hitler regierte mit einer von Reichspräsidenten erlassenen Notverordnung. Diese ermöglichte es ihm, am 24. März 1933 ein Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich, kurz Ermächtigungsgesetz genannt, zu erlassen. Damit war die völlige Machtübernahme besiegelt. Aufgrund dieses Gesetzes wurden die Kommunistische und Sozialdemokratische Partei verboten und der Reichstag, der zwar formell bestehen blieb, ausgeschaltet. Im weiteren Zug erfolgte die Auflösung aller Gewerkschaften und ein absolutes Streikverbot.
Die Absicherung der Macht
Zur endgültigen Absicherung ihrer Macht ging es den Nazis darum, das Heeres -und Polizeiwesen völlig unter ihre Kontrolle zu bekommen.
Am 20. April 1934 übernahm Himmler per Handschlag die Leitung der Geheimen Staatspolizei. Es war der erste Schritt, um später als Chef der Deutschen Polizei und seit 1935 als Reichsinnenminister den gesamten Polizeiapparat unter seine Herrschaft zu bringen. Damit war der staatliche Terror staatlich sanktioniert.
Am ersten Jahrestag der Machtübernahme erließ Hitler ein Gesetz zum Neuaufbau des Reichs. Mit dem proklamierten Einheitsstaat verloren die Länder ihre Eigenständigkeit. Das gesamte Reich wurde in Gaubezirken unterteilt und dem Reichsinnenministerium unterstellt.
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SS Obergruppenführer Reinhard Heydrich (l) mit Dr. Hans Frank (r) |
Oberster SS-Führer Heinrich Himmler und Chef der Deutschen Polizei |
Am 17. Juni 1936 wurde die Polizei reichseinheitlich neu gegliedert. Heinrich Himmler wurde zum Chef der Deutschen Polizei ernannt.
Mit der Aufstellung einer Ordnungspolizei und Sicherheitspolizei wurden zwei Bereiche geschaffen. Die Sicherheitspolizei stand unter der Leitung von SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich. Zur Sicherheitspolizei gehörten die Kriminalpolizei, der Sicherheitsdienst (SD) und die Geheime Staatspolizei.
Der Sicherheitsdienst (SD) war der Geheimdienst der NSDAP, während die Gestapo für die Verfolgung von politischen Gegnern und später für die Deportation von Juden zuständig war. Doch der SD und die Gestapo waren so eng miteinander vernetzt, dass sich die Zuständigkeiten oft miteinander vermischten, so dass man kaum eine Unterscheidung treffen konnte.
Als oberste Behörde für den Sicherheitsdienst, Kriminalpolizei und Geheime Staatspolizei wurde 1939 das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) mit Sitz in Berlin eingerichtet. Leiter dieses Amtes war bis zu seiner Ermordung Reinhard Heydrich und nach dessen Ermordung Ernst Kaltenbrunner.
Aufbau und Gliederung der Geheimen Staatspolizei und ihre Gebietszuweisungen
Das Organisationsschema der Frankfurter Geheimen Staatspolizei im Jahre 1933 gab Hinweise über deren Gliederung. Die Unterteilung erfolgt in Spionageabwehr, Außendienst und Sonderaufgaben sowie in eine Kanzlei und Registratur. Für die personelle Ausstattung griff man auf erfahrene Kriminalbeamte der Politischen Polizei zurück. Dies geschah teilweise ohne deren Einverständnis. In welchen Gewissenskonflikt diese dabei gerieten, ist den Schilderungen von Kriminalrat Dr. Karl Schäfer zu entnehmen, der bis zu seiner Übernahme zur Staatspolizei Leiter der Spionageabwehr bei der Politischen Polizei gewesen war. Die Personalausstattung der Frankfurter Gestapo nahm sich vorerst sehr bescheiden aus. Zur Durchführung ihrer Aufgaben standen ihr lediglich 18 Beamte zur Verfügung. Mehre Beamte der Politischen Polizei wurden nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentum ohne Pensionsanspruch aus dem Dienst entfernt, darunter auch der Leiter der Politischen Polizei Kriminalrat Ferdinand Mührdel, der spätere der erste Frankfurter Polizeipräsident der Nachkriegszeit werden sollte.
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Gestapo-Beamter in Zivil |
Die Gestapo in Aktion |
Ende 1933 war der Personalbestand auf 40 Beamten angewachsen. Dieses ermöglichte eine organisatorische Ausweitung auf vier Kommissariate.
Die Neuorganisation hatte folgendes Aussehen. 1. Spionageabwehr, 2. Linksopposition, 3, Rechtsopposition, Katholiken, Juden, Bibelforscher, Emigranten, 4. Versammlungen, Waffen – und Presseangelegenheiten, Schutzhaft, Verwaltung und Registratur.
Die Zuständigkeit war auf verschieden SS-Oberabschnitten verteilt, denen Höheren SS-Führer vorstanden.
Die Gestapo in Frankfurt gehörte zum SS- Oberabschnitt Fulda/Werra mit Sitz in Kassel und dem Abschnitt Rhein mit Sitz in Wiesbaden.
In Frankfurt war die Gestapo zunächst im Polizeipräsidium untergebracht. Mit dem damaligen Polizeipräsidenten von Westrem zu Gutacker hat es immer wieder erhebliche Spannungen gegeben. Bedingt durch die organisatorische Ausweitung bezog die Gestapo in der Bürgerstraße 22, heute Wilhelm-Leuchner-Straße, ein Ausweichquartier Weitere Dienststellen wurden im Siemenshaus in der Gutleutstraße untergebracht. Erst im April 1941 erwarb die Gestapo in der Lindenstraße 27 ein eigenes Dienstgebäude,in dessen Räume 140 Gestapo-Mitarbeiter untergebracht werden konnten. Das Nachbarhaus diente zur Unterbringung des Leiters der neuen Gestapoleitstelle.
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| Gestapoleitstelle Franfurt, Lindenstraße 27 |
Gedenktafel am Haus Lindenstraße 27 |
Eine präzise Gebäudebeschreibung liefert Dr. Volker Eichler vom Hessischen Staatsarchiv in seiner Publikation „ Organisation, Struktur und Schriftgutüberlieferung der Gestapo in Frankfurt am Main.“ Das Gebäude umfasste Kellerräume, ein Hochparterre, zwei Obergeschosse sowie ein Dachgeschoss. Im Keller wurden drei Haftzellen und ein Luftschutzraum eingerichtet. Das Gebäude diente zuvor als Damenstift und gehörte der Familie von Cronstetten.
Das neue Dienstgebäude diente jedoch nicht zur dauerhaften Unterbringung von Häftlingen.
.Hierfür standen das Polizeigefängnis in der Klapperfeldstraße, das Untersuchungsgefängnis in der Hammelsgasse sowie Notgefängnisse in der Rödelheimer Str. 10/12 und Gutleutstraße 13 zur Verfügung.

Polizeigewahrsam Frankfurt (Klapperfeldstraße)
Im April 1942 hatte man auf dem Gelände der VDM in Heddernheim ein Arbeitserziehungslager eingerichtet, das 1943 auch als Erweitertes Polizeigefängnis genutzt wurde. Es erlangte traurige Berühmtheit, weil es ebenfalls als Durchgangslager für jüdische Häftlinge diente, die man in Konzentrationslager weitertransportierte.
Zeitzeugenberichte belegen, dass es auch als Hinrichtungsstätte verwendet wurde. Das Bewachungspersonal bestand aus 90 Personen. Ein weiteres Lager unterhielt die Gestapo in Hirzenhain
Die Geheime Staatspolizei verfügte über weitgehende Befugnisse. Ohne sich bei übergeordneten Stellen rückversichern zu müssen, konnten sie in eigener Machtvollkommenheit Einweisungen in Konzentrationslager anordnen. Für ihren Zuständigkeitsbereich verfügte sie zwar über eine nur dünne Personaldecke, doch standen ihr ca. 500 V-Leute und zahlreiche Denunzianten zur Seite. Im Hauptpostamt auf der Zeil hatte man einen geheimen Briefkasten eingerichtet, wo Gestapo- Spitzel monatliche Berichte hinterlegen konnten..
Den Hauptschlag führte die Gestapo in Frankfurt gegen kommunistische Widerstandszellen. Zahlreiche Widerstandskämpfer wurden verhaftet und nach Volksgerichtsurteilen hingerichtet. Viele Personen, an deren nationalsozialistische Gesinnung Zweifel bestanden, wie Künstler, Musiker, die sich nach Ansicht der Nazis einer entarteten Kunst zugewandt hatten, wie der spätere berühmte Posaunist Albert Mangelsdorff sowie Gewerkschaftsführer und Angehörige von demokratischen Parteien und auch Homosexuelle gerieten nicht selten in den Fokus der Gestapo.
Besonderen Eifer legte sie bei der Aufspürung von jüdischen Familien, denen ein schreckliches Ende in den Konzentrationslagern bevorstand.
Da es der Frankfurter Gestapo gelungen war, noch vor Kriegsende alles an belastendem Material zu vernichten, lässt sich das Ausmaß des Schreckens heute nur noch anhand von externen Akten sowie Zeitzeugenberichten und noch erhalten gebliebenem Schriftgut rekonstruieren.. So blieb eine Liste erhalten, in der 12037 verhaftete Personen, vorwiegend Juden, aufgeführt waren, die man in Konzentrationslager eingewiesen hatte, wo sie in den Gaskammern einen schrecklichen Tod gefunden haben.
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Die Vernehmungsmethoden der Gestapo waren grausam und unmenschlich. Geständnisse von Festgenommenen wurden durch brutale Schläge und Folter erpresst. Dabei wurde auch der Tod des Opfers in Kauf genommen.

Folterung eines Häftlings, nachgestellte Filmszene
Das Kriegsende in die Auflösung der Gestapo
Als sich anfangs März amerikanische Verbände Frankfurt näherte, bereitete sich die Frankfurter Gestapo auf ihren Rückzug nach Oberhessen vor.
Der Leiter der Frankfurter Gestapo war jetzt sogar der Kommandeur für die Hessische Sicherheitspolizei. Ihm unterstanden damit alle Kriminal –und Staatspolizeistellen. Als neuer Dienstort hatte man das Landratsamt in Alsfeld vorgesehen. Am 26. März 1945, kurz vor der Einnahme der Stadt verließen die letzten Gestapobeamte das Dienstgebäude in der Lindenstraße 27. Viele von ihnen sind regelrecht untergetaucht und haben sich somit der Verantwortung für ihre schlimmen Verbrechen entzogen. Zuvor hatten sie im Lager Hirzenheim noch zahlreiche Inhaftierte umgebracht.
Laut Auskunft der Staatsanwaltschaft Frankfurt haben keine der späteren Anklagen zu einer Verurteilung geführt, weil zum einen die Opfer nicht mehr lebten und zum anderen das belastende Aktenmaterial vorzeitig vor dem Einmarsch der Amerikaner vernichtet wurde.
Auch bei den damals durchgeführten Spruchkammerverfahren mussten wegen fehlender Beweise ehemalige Gestapoangehörige als entlastet eingestuft werden.
Zwar konnte man die Allgemeine Kartei der Frankfurter Gestapo mit Namen von verhafteten Personen sicherstellen, jedoch enthielten die 165000 Karteikarten keine Hinweise über deren Schicksal und der beteiligten Gestapobeamten. So bleibt die Geschichte der Frankfurter Gestapo nach wie vor ein ungeklärtes dunkles Kapitel in der Frankfurter Polizeigeschichte.
Quellenangaben:
Rupert Butler, Die Getapo, Hitlers Geheimpolizei 1933-1945, Klagenfurt 2004
Dr. Karl Schäfer, 20 Jahre im Polizeidienst, Hanau 1977
Dr.Volker Eichler, Organisation, Struktur und Schriftgutüberlieferung der Gestapo in Frankfurt am Main.
Prof. Dr. Gerhard Paul, Dr. Klaus Michael Mallmann, Die Gestapo im Zweiten Weltkrieg, Darmstadt 2000
Armin Schmid, Frankfurt im Feuersturm, Frankfurt 1990
Friedrich Wilhelm, Die Polizei im NS-Staat, Paderborn 1999
Nachdruck, auch nur auszugsweise nur unter Hinweis auf die Quellen und den Autor






