Erfolg durch moderne Fahndungsmethoden
Zum ersten Mal wurde eine Fingerspur als Beweismittel vor Gericht zugelassen
Anfangs des 20. Jahrhunderts war es für die Kriminalisten noch schwierig, Straftäter aufzuspüren und einwandfrei zu identifizieren.
Inzwischen hatten sich jedoch die Fahndungsmethoden und forensischen Wissenschaften, vor allem durch die Einführung einer Lichtbildkartei und des Steckbriefes, wesentlich verbessert. Auch mit der Daktyloskopie hatte man mit der Auswertung von Fingerspuren ein absolut sicheres Identifizierungsverfahren gefunden. Es beruht auf dem Prinzip der Unveränderlichkeit und Einmaligkeit.
Diese Methode war dem bisherigen aufwendigen Körpermessverfahren von Bertillion, das eine akribische Genauigkeit voraussetzte, deutlich überlegen.
Mit der Erfindung der Telegraphie und des Telefons war den Kriminaldienststellen eine neue Technik zur Hand gegeben, die weitaus bessere Fahndungserfolge ermöglichen. Vor allem Personalienfestellungen und Täterfahndungen konnten jetzt auf schnellstem Wege erfolgen.
Alle diese modernen Fahndungshilfsmittel spielten bei der Festnahme von Bruno Groß und Friedrich Stafforst eine entscheidende Rolle. Da Groß bereits vorbestraft war, existierte von ihm in der Frankfurter Lichtbildkartei eine Fotografie. Eine Veröffentlichung in einer Frankfurter Zeitung führte schließlich zu seiner Festnahme.
Ein blutverschmierter Fingerabdruck auf Lichtensteins Hemdkragen überführte einwandfrei Groß als einen der Täter. Von Stafforst wurden keine Fingerspuren gefunden. In der späteren Hauptverhandlung spielte der Fingerabdruck von Groß eine große Rolle. Erstmals in der Frankfurter Justizgeschichte wurde eine Fingerspur als Beweismittel in einem Gerichtsverfahren zugelassen.
Die Festnahme von Stafforst in Hamburg gelang durch einen Steckbrief, der überall in größeren Städten an Litfaßsäulen und in Polizeirevieren ausgehängt war.
Die schnelle Aufklärung des Mordfalles wurde in der Presseberichterstattung besonders hervorgehoben. Die Einführung von neuen Fahndungsmethoden führte von nun an zu einem Paradigmawechsel in der Kriminalistik



