Dr. Karlheinz Gemmer

(3. Juni 1980 bis 27. September 1994)

Dr. Karlheinz Gemmer Im Juni 1980 erfolgte erneut ein Wechsel in der Behördenleitung. Der bisherige Polizeipräsident Knut Müller wurde zum Regierungspräsidenten in Gießen ernannt. Die Auswahl des Nachfolgers fiel auf den 50jährigen Dr. Karlheinz Gemmer, der vom Bundeskriminalamt nach Frankfurt wechselte. Die Situation, die der neue Behördenleiter bei seinem Amtsantritt vorfand, war besorgniserregend. Die Zahl der Straftaten wuchs erstmals über die Hunderttausendgrenze hinaus. Besonders die Rauschgiftkriminalität nahm ein erschreckendes Ausmaß an, und die Zahl der Rauschgifttoten stieg sprunghaft in die Höhe.
Den größten Einsatz in ihrer Geschichte hatte die Frankfurter Polizei beim Bau der „Startbahn 18 West“ zu leisten. Etwa 7.000 Ausbaugegner versuchten gewaltsam, die Waldrodungsarbeiten zu behindern, die für den Startbahnbau notwendig waren. Um die Angriffe der Demonstranten abwehren zu können, musste aus der ganzen Bundesrepublik Verstärkung herangeführt werden. Die Frankfurter Polizei hatte in den 80er Jahren große Belastungen zu verkraften. Die Personalsituation war mit 2.404 Schutz– und 563 Kriminalbeamten nicht ausreichend. Diese Misere konnte nur dadurch gemindert werden, dass es seit 1984 auch für Frauen möglich war, in die Schutzpolizei eingestellt zu werden.
Die Auseinandersetzungen zogen sich von 1981 bis 1987 hin, wobei die Gewalt immer mehr eskalierte. Die Demonstranten hatten im Wald ein Hüttendorf errichtet, das von der Polizei gewaltsam geräumt werden musste. Am Gedenktag der Hüttendorfräumung kam es am 2. November 1987 an der bereits fertig gestellten Startbahn erneut zu schweren Ausschreitungen radikaler Ausbaugegner, die erstmals Schusswaffen gegen die Polizei einsetzten. Dabei wurden der 44jährige Hundertschaftsführer, Polizeihauptkommissar Klaus Eichhöfer, und der 23jährige Polizeimeister Thorsten Schwalm von Pistolenkugeln tödlich getroffen. Weitere zehn Beamte trugen Schussverletzungen davon.
Auch der Terrorismus gehörte zu den schlimmsten Zeiterscheinungen. Am 19.Juni 1985 explodierte in der Abflughalle des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens eine Zeitbombe. Dabei kamen zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren sowie ein 37jähriger Portugiese ums Leben. Am 8. August des gleichen Jahres explodierte auf einem Parkplatz des US-Militärflughafens eine Autobombe, durch die ein amerikanischer Offizier und seine Ehefrau getötet und zwanzig Personen erheblich verletzt wurden.
Auch die Demonstrationsszene kam in den 80er Jahren nicht zur Ruhe. Selbst wenn es nicht mehr die Massendemonstrationen der 70er Jahre waren, so sorgte stets ein „harter Kern“ von gewaltbereiten Demonstranten für sehr viel Unruhe. Die Demonstranten suchten mit aller Härte die Auseinandersetzung mit der Polizei. Zu einem schlimmen Vorfall kam es am 28. September 1985 auf der Frankenallee bei einer Kundgebung der NPD im Haus Gallus. Zahlreiche Gegendemonstranten versuchten die Veranstaltung zu verhindern, und es kam zu einer heftigen Straßenschlacht, bei der ein Demonstrant, der 36jährige Günter Saré, in dem wilden Durcheinander von einem Wasserwerfer erfasst und getötet wurde.
Die zunehmende Kriminalität in den 90er Jahren machte innerhalb der Frankfurter Polizei eine weitere Organisationsveränderung erforderlich. Mit einem Erlass des Hessischen Innenministers wurde im September 1995 die Neuorganisation eingeleitet. Im Mittelpunkt dieser Neuerung stand die Zusammenfassung der Schutz- und Kriminalpolizei, die nur noch einem Leiter unterstellt war. Mit dieser neuen Struktur vollzog sich auch der Übergang in das Jahr 2000. Im September 1994 trat Polizeipräsident Dr. Karlheinz Gemmer nach Ablauf seiner Dienstzeit in den Ruhestand.

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Foto: Hartmut Preßler
KMF