Willy Klapproth
(31. August 1946 bis 21. Juni 1951)
Mit der Nachfolge von Dr. Siegert beauftragte die Militärregierung Willy Klapproth, der zuletzt als Oberregierungsrat beim Regierungspräsidenten in Darmstadt seinen Dienst versah. Zuvor war er Bürgermeister der Stadt Bensheim. Als Heeresoffizier im 1. Weltkrieg trat er 1920 in die Schutzpolizei ein und brachte es hier bis zum Polizeidirektor. Bei der Machtübernahme durch die Nazis wurde er wegen fehlender Zuverlässigkeit aus dem Dienst entfernt und wurde auch später nicht, obwohl er Offizier war, zum Wehrdienst eingezogen. Klapproth war der Typ eines klassischen Militärs. Nach einer preußischen Maxime gingen ihm Ordnung und vor allem Pünktlichkeit über alles. Folgt man Berichten aus dieser Zeit, so kam es nicht selten vor, dass er mit der Taschenuhr am Haupteingang des Präsidiums stand, um die Pünktlichkeit seiner Mitarbeiter zu kontrollieren. Auch ein Verkehrsposten, der es unterließ, ihn vorschriftsmäßig zu grüßen, fiel recht schnell in Ungnade. Doch Klapproth besaß darüber hinaus noch eine Reihe von ernsthafteren Fähigkeiten. Unter seiner Leitung konnte die Polizei ihren wohl größten Personalzuwachs nach dem Kriege verzeichnen. Es gelang dem Präsidenten immerhin, die Schutzpolizei auf 1856 Beamte aufzustocken. Diese waren auch für Einsätze gegen den „Schwarzen Markt" im Frankfurter Bahnhofsviertel dringend nötig. Immerhin gelang es, die schlimmsten Auswüchse zu beseitigen.
Im Jahre 1948 erhielt die Frankfurter Polizei aus Anlass der Feier nach Wiederaufbau der Paulskirche wieder eine neue Uniform, die im Volksmund daher auch Paulskirchenuniform hieß und sehr stark an die Dienstkleidung der New Yorker Polizei erinnerte (sechseckige Mütze und Brustschild). Auch legte der Polizeipräsident großen Wert auf Öffentlichkeitsarbeit. Er hatte großen Anteil an der Gründung einer Frankfurter Polizeikapelle, die in einem Wettbewerb für Polizeimusik in Amsterdam unter Leitung ihres langjährigen Kapellmeisters Eugen Fülling die Goldmedaille gewann und damit die Frankfurter Polizei über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Auch der Sport genoss in der Polizei wieder einen hohen Stellenwert. In dieser Zeit (1949) wurde der Polizeisportverein, dessen Vorsitzender er war, wieder gegründet. Was folgte, waren eine Reihe von Polizeisportfesten im Frankfurter Waldstation mit hervorragenden sportlichen Leistungen. Die Polizei fing so langsam an, bei den Frankfurtern beliebt zu werden.
Doch die Unbill der Zeit, in der immer noch Kargheit und große Not herrschte, wurde am Ende dem tatkräftigen Präsidenten zum Verhängnis. Mitte 1951 geriet er in den Sog einer Aufsehen erregenden Bestechungsaffäre, an der Gastwirte, Fuhrunternehmer und ein bekannter Frankfurter Rechtsanwalt beteiligt waren. Es war damals so, dass auf dem „Schwarzen Markt" sichergestellte Waren aus der Asservatenkammer verschwanden und in dunkle Kanäle geflossen waren. Der Oberbürgermeister, Dr. Walter Kolb, reagierte sofort und suspendierte Klapproth von der Leitung der Polizeibehörde. Zwar wurde er in einem ersten Verfahren wegen Verdachtes der Bestechung freigesprochen, doch der Prozess hatte seine Verstrickungen. Aus falsch verstandener Kameraderie hatte er in dieser Verhandlung, um den Leiter der Asservatenkammer zu decken, einen Meineid geschworen und musste sich daher in einer weiteren Verhandlung vor Gericht verantworten. Das Urteil lautete 10 Monate Gefängnis, von denen er jedoch nur 4 Monate abzusitzen brauchte. Der damalige Ministerpräsident erließ ihm im Wege eines Gnadenerlasses den Rest der Strafe. Klapproth betätigte sich danach in Frankfurt als Vertreter und starb 1967 in Frankfurt.
