Ferdinand Mührdel

(29. März 1945 bis 31. August 1945)

Ferdinand MührdelUnmittelbar nach der Besetzung Frankfurts versuchten die Amerikaner die Verwaltung der Stadt wieder in Gang zu bringen. Sie hielten Ausschau nach Personen, die nicht mit der Vergangenheit belastet und gewillt waren, mit der Besatzungsmacht zusammenzuarbeiten. Bei der Ausschau nach einem Polizeipräsidenten fiel die Wahl auf den späteren Zoo-Direktor Prof. Dr. Bernhard Grzimek. Er wurde zunächst auch zum Polizeipräsidenten ernannt, ohne dass er von seiner Ernennung etwas wusste. Der Professor lehnte es jedoch ab und bat die US-Streitkräfte um eine andere Verwendung. Erster Polizeipräsident nach dem Kriege wurde somit Ferdinand Mührdel, ein früherer Kriminaloberrat, den die Nationalsozialisten 1933 wegen fehlender politischer Zuverlässigkeit aus dem Amte entfernt hatten. Mührdel begann seine Arbeit im Allianz-Versicherungsgebäude im Kettenhofweg, weil das Polizeipräsidium zu dieser Zeit noch von amerikanischen Truppen genutzt wurde. Mührdel setzte schließlich durch, dass die Polizei bald wieder in der Friedrich-Ebert-Anlage Einzug halten konnte. Schon im Mai 1945 stand das Polizeipräsidium, das zu 35 % durch Luftangriffe zerstört war, wieder zur Verfügung, und auch das Polizeiwesen kam Zug um Zug wieder in Gang. Alle Schutzpolizeibeamten, die bisher ihren Dienst nur in Zivil und weißer Armbinde ausübten, erhielten wieder eine Uniform. Sie war aus blauem Stoff und änderte sich in den ersten Nachkriegsjahren mehrmals. Am 8. Juni 1945 kam es schon zur Aufstellung eines 50 Mann starken Verkehrskommandos. Wie notwendig dies war, bewies die Tatsache, dass 1945, und zwar in der Zeit von Juni bis Dezember, 69 Menschen im Straßenverkehr getötet und 365 verletzt wurden. Die Zahl der Gesamtunfälle lag bei 400. Ein Jahr später kam es zur Gründung einer motorisierten Verkehrsüberwachung und schon Mitte des Jahres 1946 hatte die Schutzpolizei in Frankfurt wieder eine Stärke von 1763 Beamten bei einer zunehmenden Einwohnerzahl von rund 400.000.
Schwieriger dagegen gestaltete sich der Aufbau der Kriminalpolizei und dies in einer Zeit, in der schlimme Verbrechen an der Tagesordnung waren. Eine Kriminalstatistik aus dem Jahre 1945 fasste diese Schreckensbilanz in Zahlen. Hiernach geschahen im ersten Nachkriegsjahr 68 Morde, 1.287 Raubüberfälle und Plünderungen sowie 24.000 Diebstähle. Vor diesem düsteren Hintergrund war es klar, dass sich zu einem Dienst bei der Frankfurter Kriminalpolizei nur wenige drängten. Zunächst waren es nur fünf Beamte, die sich bereit fanden, einen solchen schwierigen Dienst auf sich zu nehmen. Doch nach wenigen Wochen stieg die Dienststärke auf immerhin schon 171  Kriminalbeamte, eine Zahl allerdings, die bei weitem noch nicht ausreichte, den zerfallenen Polizeiapparat wieder funktionstüchtig zu machen. An allen Ecken waren Mängel zu verzeichnen, angefangen von der Ausrüstung bis zu den Unterbringungen und dies außerdem noch durch eine alliierte Besatzungspraxis erschwert, die vom absoluten Siegerstandpunkt bestimmt war. Die Besatzungsmacht hatte ein wachsames Auge auf alle Entwicklungen und Tendenzen bei der Polizei. Sie forderte täglich schriftliche Berichte über die Vorgänge bei den einzelnen Dienststellen und verlangten einen Nachweis über die ausgegebenen Schusswaffen und Munition.
Unter diesen Umständen konnte es nicht ausbleiben, dass der Polizeipräsident, der als aufrechter Demokrat und eine standhafte Persönlichkeit galt, sich ständig mit der Militärregierung rieb, womit er sich offensichtlich unbeliebt machte. Die Amerikaner warfen ihm schließlich fehlenden Willen an Zusammenarbeit vor und setzten beim Oberbürgermeister seine Ablösung durch. Mührdel schied erhobenen Hauptes aus seinem Amte und beendete später seine Polizeilaufbahn — nachdem ihn die Militärregierung wieder eingestellt hatte — als Regierungsdirektor und Leiter des Hessischen Landeskriminalamtes in Wiesbaden.

 

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Quelle:125 Jahre Polizeipräsidium Frankfurt am Main, Kurt Kraus
KMF