Adolf Heinrich Beckerle

(13. September 1933 bis 17. Juni 1943)

Adolf Heinrich BeckerleMit Adolf Heinrich Beckerle wurde ein Nachfolger gefunden, der bereit war, die Polizei im Sinne seiner obersten SA-Leitung zu führen. Beckerle war Frankfurter und studierte an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität Volkswirtschaft, wo er auch 1927 sein Examen als Dipl. Volkswirt bestand. Schon 1922 gehörte er der SA an und galt in ihren Reihen als ein engagierter alter Kämpfer. Seine große Karriere setzte 1928 ein, wo er es innerhalb der SA bis zum Obergruppenführer (einem Generalsrang vergleichbar) brachte. Nach der Amtsenthebung von Westrems war er nach der Auffassung der SA der geeignete Mann, der in der Lage schien, die Polizei SA-mäßig zu führen. Beckerle war bereit und willens. Aber auch er wurde recht bald zur persona non grata. Er stand im Verdacht, im Juni 1934 am so genannten Röhmputsch beteiligt gewesen zu sein. Für kurze Zeit wurde er eines Amtes enthoben, später jedoch nach seiner Rehabilitierung wieder eingesetzt.
Mit Beckerle begann die große Zeit der Umorganisation. Die kasernierten Polizeiformationen wurden aufgelöst und in die Landespolizei überführt. Die Ausbildung der Polizei war fortan militärisch ausgerichtet. Eine völlige Militarisierung erfolgte im März 1936, als die Landespolizei geschlossen in die Wehrmacht eingegliedert wurde. Die restliche Polizei führte man beim Reichsinnenministerium zusammen und unterstellte sie dem Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler. Nach dem neuen Organisationsschema gliederte sich die Polizei in eine Ordnungspolizei mit den Untergliederungen: Schutzpolizei, Gendarmerie und Gemeindepolizei sowie in eine Sicherheitspolizei mit den Ressorts Kriminalpolizei und Politische Polizei. Der Personalbestand betrug zu dieser Zeit in Frankfurt 53 Offiziere und 1183 Wachtmeister. Die Polizeireviere wurden durch Zusammenlegung von 24 auf 17 verringert. Hinzu kamen 10 Revierzweigstellen und sechs Landposten. Des Weiteren wurden die drei bisherigen Polizeiinspektionen in Abschnittskommandos umgebildet. Aus dem Bestand der Schutzpolizei ging eine neu gebildete Schutzpolizei-Hauptmannschaft hervor. Im Rahmen des Luftschutzes, der ebenfalls der Polizei unterstand, wurde auch das Feuerlöschwesen unter der Bezeichnung Feuerlöschpolizei umgegliedert. Durch eine massive Zentralisierung verlor in dieser Zeit der Polizeipräsident an Bedeutung und Einflussmöglichkeit. Hinzu kam, dass nach dem Röhmputsch die SA immer mehr aus ihren Ämtern verdrängt und künftig von hohen SS-Führern ersetzt wurde. Beckerle wurde nach Lodz abgeschoben, wo er als Leiter der Polizeiverwaltung Verwendung fand, bald jedoch wegen fehlender Aktivitäten wieder abgelöst wurde. So aus allen Polizeifunktionen gedrängt, versuchte er, wie viele abgehalfterte SA-Führer, im diplomatischen Dienst unterzukommen. Er wurde zum Gesandten I. Klasse in Sofia ernannt und setzte sich kurz vor Kriegsende mit einem beschafften Soldbuch und in der Uniform eines Wehrmachtsgefreiten nach Westen ab. Er überlebte den Krieg und lebte noch lange in Frankfurt.

 

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Quelle:125 Jahre Polizeipräsidium Frankfurt am Main, Kurt Kraus
KMF