Fritz Ehrler
(17. November 1919 bis 17. Oktober 1925)
Der neue Polizeipräsident Fritz Ehrler, ein Mann, der aus der Gewerkschaftsbewegung stammt, traute sich zunächst nicht, in das Polizeipräsidium umzuziehen, weil sich dort immer noch Kommunisten und Teile der Marine-Abteilung verschanzt hielten und nicht daran dachten, das Gebäude freiwillig zu räumen. So erlebte das Polizeipräsidium seinen ersten Militäreinsatz. In den Morgenstunden des 22. November 1919 stürmten Soldaten des Garde-Schützenbataillons das Präsidiumsgebäude und nahmen dort, ohne auf Widerstand zu treffen, die Besetzer fest.
Während Ehrlers Amtszeit kam es zu einschneidenden Veränderungen in der Polizeistruktur. Es ging vor allem darum, eine moderne, demokratische Polizei aufzubauen. Nachdem die Alliierten aufgrund der Boulogner-Note die Sicherheitspolizei wegen ihrer allzu straffen militärischen Gliederung wieder aufgelöst hatten, kam es zur Gründung einer Schutzpolizei, die im Wesentlichen aus der alten Ordnungspolizei hervorging. Es entstanden drei Polizeiinspektionen, denen 23 Polizeireviere angehörten sowie fünf Bereitschaften, denen ein berittener Zug zugeteilt war und Stabsdienststellen wie: Nachrichten-, Kraftfahrzeug- und Sanitätsabteilung.
Eine schwere Belastung hatte die Frankfurter Polizei während des Kapp- Putsches im März 1920 zu überstehen. Von Aufrührern wurden in Frankfurt Polizeireviere gestürmt, Beamte gefangen genommen und schwer misshandelt. Bei Kämpfen mit den Putschisten hatte die Polizei einige Tote in ihren Reihen zu beklagen. Die Aufrührer setzten hierbei brutal Maschinengewehre und auch Handgranaten ein. Ein Maschinengewehrnest befand sich am Eschenheimer Turm, von wo aus das Revier an der Börse fortlaufend unter Beschuss gehalten wurde. Erst der Reichswehr gelang es, diesen Spuk zu beenden. Der Aufstand kostete 23 Bürgern das Leben.
Polizeipräsident Ehrler konnte in seiner Amtszeit auf eine beachtliche Leistung zurückblicken. Viele neue Einrichtungen entstanden unter seiner Ägide. So zum Beispiel das Verkehrskommando, das Überfallkommando mit seinem Standort in der Gutleutkaserne sowie die Einrichtung einer ersten Notrufanlage. Im November 1925 folgte er, wie viele seiner Vorgänger einer Berufung in das Regierungspräsidium nach Wiesbaden, wo er bis zu seiner Absetzung im Jahre 1933 Regierungspräsident war. Noch in dieser Zeit würdigte die Frankfurter Zeitung Fritz Ehrler als einen Mann, der sich vor allem in den schweren Jahren von 1919 bis 1925 verdient gemacht und diese taktvoll und klug geleitet habe. Im Jahre 1944 kamen er und seine Frau bei einem Fliegerangriff auf Wiesbaden ums Leben.
