Leopold Harris
(23. April 1919 bis 20. November 1919)
Der Arbeiter und Soldatenrat hatte auch nach dem Rücktritt von Dr. Hugo Sinzheimer weiterhin die Macht in Frankfurt. Das Polizeiwesen war nach wie vor ungeordnet und die Sicherheit der Stadt lag in den Händen eines berüchtigten Marinesicherungsdienstes, der sogenannten Stickelmanngarde, benannt nach ihrem Anführer, ein ehemaliger Marinemaat und eines Hilfspolizeichores unter der Leitung des Revolutionärs Weber. Von der eigentlichen Ordnungspolizei war in dieser Zeit nicht viel zu sehen. Es entwickelten sich somit unhaltbare Zustände. Als neuen Polizeipräsidenten setzte der Arbeiter- und Soldatenrat den 45jährigen Leopold Harris ein. Er war eine reine Marionette der Revolutionsregierung. Auch Harris blieb nur kurze Zeit im Amt. Der neue Präsident war ein Mann mit nur wenig Ausstrahlung. In einem Beurteilungsschreiben des Regierungspräsidenten in Kassel heißt es:
„Der kommissarische Polizeipräsident Harris genießt weder in der Bürgerschaft noch in seiner Behörde Ansehen.... Dabei muss anerkannt werden, dass er, wobei ihm seine Intelligenz und Gewandtheit zustatten kommt, versucht, die Dienstgeschäfte ordnungsgemäß und unter Heranziehung seines geschulten Personals zu führen."
Als sich die Lage in Frankfurt immer mehr zuspitzte und das Polizeiwesen der Stadt kollabierte, entschloss sich die Reichsregierung, nachdem sie sich bei den
Entente-Mächten Rückendeckung geholt hatte, Truppen in das zur entmilitarisierten Zone gehörende Frankfurt zu verlegen. Am 4. November 1919 rückte das Freiwilligenkorps unter der Führung des Rittmeisters von Neufville in die Mainmetropole ein und stellte die alte Ordnung wieder her. Unter dem Druck der Reichswehr erklärte Leopold Harris am 20. November 1919 seinen Rücktritt.
