Carl Rieß von Scheuernschloß

(25. Mai 1911 bis 9. November 1918)

Carl Rieß von ScheuernschloßDer Mann, der damals den Weg in das problembeladene Frankfurter Polizeipräsidium nicht scheute, war der damals 48jährige Carl Rieß von Scheurnschloß, der zuvor als Landrat in Hofgeismar diente und seit 1908 Oberregierungsrat und Stellvertreter des Regierungspräsidenten in Kassel war. In seiner Amtszeit erfolgte im Jahre 1914 die Verlegung des Polizei­präsidiums von der Zeil 60 zum Hohenzollernplatz (heute Platz der Republik). Inzwischen hatte man auch höherenorts eingesehen, dass es künftig ohne Personalvermehrung nicht geht. Die Polizei verstärkte sich entsprechend der Vermehrung der Bevölkerung und hatte im Jahre 1918 eine Stärke von insgesamt 675 Beamten. Der Polizeibezirk war in drei Inspektionen mit 21 Polizeirevieren und 12 Polizeiwachen gegliedert. Dazu kamen ein Gewerbekommissariat sowie ein Fuhr- und Kinokommissariat. Carl Rieß von Scheurnschloß erlebte die Auflösung des Kaiserreiches und die Revolutionswirren in Frankfurt. Das Polizeiwesen lag in dieser wild bewegten Zeit in den Händen des Arbeiter- und Soldatenrates, der auch am 9. November 1918 einen Trupp Bewaffneter unter Anführung eines Beauftragten in das Polizeipräsidium entsandte und dort den Polizeipräsident festnahm, weil dieser es abgelehnt hatte, mit den Revolutionären zusammenzuarbeiten.
Auch eine Anweisung des preußischen Innenministers, von Scheurnschloß wieder in seinem Amt einzusetzen, wurde vom Revolutionsrat schlicht ignoriert. Dieser bestellte vielmehr den Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Hugo Sinzheimer zum neuen Polizeichef. Rieß von Scheurnschloß blieb nichts anderes übrig, als die erzwungene Abdankung aus Rücksicht vor Unruhen in der Bevölkerung zu akzeptieren und verließ die Stadt. Er wurde am 1. Mai 1919 in den Ruhestand versetzt.

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Quelle:125 Jahre Polizeipräsidium Frankfurt am Main, Kurt Kraus
KMF