Wilhelm Karl Ernst Freiherr von Müffling

(22. Juli 1889 bis 30. Oktober 1904)

Wilhelm Karl Ernst Freiherr von MüfflingMit von Müffling hielt erstmals ein Polizeipräsident in Frankfurt Einzug, der, abweichend von der preußischen Grundregel, über ein Jahrzehnt in seinem Amte am gleichen Ort verbrachte. Bisher neigten die Preußen wegen möglicher Verfilzungen dazu, Amtsträger nach einer gewissen Zeit wieder zu versetzen. Vor seinem Amtsantritt in Frankfurt war von Müffling Landrat in Czarnikau und Demin, später sogar Polizeipräsident in Stettin. Mit von Müffling kehrte vor allem nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes eine spürbare Entspannung der innerpolitischen Situation ein. Es erscheint heute interessant, wie von Müffling die Friedfertigkeit der Frankfurter Bevölkerung einschätzte. In einem Bericht an das preußische Innenministerium schrieb er:
„Die Frankfurter Bevölkerung sei ihrer Veranlagung nach sehr viel mehr zur Besonnenheit als zur Aufregung geneigt."
Eine solch schmeichelhafte Bewertung nur 16 Jahre nach dem schlimmen Bierkrawall erscheint aus historischer Sicht doch ein bisschen zu gewagt und blauäugig.
Im Jahre 1893 erlebte Frankfurt eine städtebauliche Expansion mit erheblichen Gebietserweiterungen. Die Hauptsorge von Müfflings war, die Stärke der Polizei dieser Entwicklung anzupassen. Doch bei Personalwünschen stieß er in Berlin stets auf taube Ohren und es wurde mehr als ihm lieb war der Rotstift angesetzt. Immerhin gelang es ihm jedoch nach zähem Ringen, die Stärke der Polizei bis zum Jahre 1900 von 274 auf 455 zu erhöhen. Bei einer notwendigen Aufstockung der Polizeiverwaltung blieb ihm ein ähnlicher Erfolg in Berlin versagt.
Eine entscheidende Veränderung im Dienstablauf der Polizei war 1893 zu verzeichnen. Das Nachtwachwesen, das auch nach der preußischen Besetzung noch bei der Stadtverwaltung verblieben war, wurde aufgelöst und der Nachtdienst fortan von der Polizei übernommen. Auch war damals vielfach im Gespräch, Teile der Polizeiverwaltung der Stadt zu übertragen, doch realisiert wurden diese Pläne nicht.
Der rasch einsetzende Zuzug vieler Auswärtiger und der damals enorm zunehmende Straßenverkehr brachten für die Polizei einen bis dahin nicht gekannten Arbeitsaufwand. Fehlende Beamtenstellen mussten durch erhebliche Mehrbelastungen ausgeglichen werden. Die Dienstzeit eines Schutzmannes und auch die eines Verwaltungsbeamten betrug täglich etwa 12 Stunden. Viele Aufgaben konnten deshalb noch zufrieden stellend bewältigt werden, weil die meisten Beamten gut eingearbeitet waren. Auch von Müffling musste seiner Aufopferung Tribut zollen; am 30. Januar 1904 ließ er sich wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes in den Ruhestand versetzen.

 

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Quelle:125 Jahre Polizeipräsidium Frankfurt am Main, Kurt Kraus
KMF