Guido Madai
(1. Oktober 1867 bis 5. November 1872)
Nach der Einverleibung Frankfurts in den preußischen Staatsverband setzte das preußische Innenministerium den damals 57jährigen Landrat des Kostener Kreises zunächst als Zivilkommissar und am 28.8.1867 mit Wirkung vom 1.10.1867 zum ersten Polizeipräsidenten in Frankfurt ein. Damit war die Errichtung eines Präsidiums nach preußischem Muster offiziell geworden. Bis zu diesem Zeitpunkt funktionierte das Polizeiwesen noch nach den Regeln der vormals Freien Stadt. Der Institution Polizeipräsidium folgte auch eine preußische Schutzmannschaft und Kriminalpolizei, die zwar zahlenmäßig klein war, aber in ihrer Organisation eine straffe Gliederung aufwies. Die Jahre der Preußenherrschaft waren für viele Frankfurter schmerzlich. Nach dem Verlust ihrer Selbständigkeit hatte die einst blühende, weltoffene Freie Stadt nur noch den Charakter eines Provinzstädtchens am südlichen Rande des preußischen Staatsgebietes. So hatte es auch von Madai am Anfang recht schwer, sich auf die Frankfurter Verhältnisse einzustellen. Das Polizeipräsidium, das immer noch als ein Symbol preußischer Besetzung galt, war in dieser Zeit nicht selten zur Zielscheibe des Bürgerzornes geworden. Die Stimmung, die damals in Frankfurt herrschte, kommt in einem Brief zum Ausdruck, den von Madai an den Regierungspräsidenten nach Wiesbaden richtete:
„Es ist die von höheren Schichten offen zur Schau getragene Absichtlichkeit, sich den neuen Verhältnissen unter keinen Umständen zu akkomodieren, welche eine indirekte Einwirkung ruhiger Verständigung zur Unmöglichkeit macht. Was aus den tonangebenden Schichten direkt oder indirekt in die unteren Schichten transpiriert, ist nicht geeignet, hier wohltätig auf die Stimmung einzuwirken. Die also erzeugte Stimmung macht sich bei jeder Gelegenheit Luft, und das Erscheinen österreichischer Uniformen auf der Bühne wird zur fast kindischen Demonstration."
Doch von Madai gelang es, durch seine konziliante Art diese Kluft zu überwinden, und mit Frankfurt ging es langsam aber stetig aufwärts. Die Messestadt begann wieder zu prosperieren und auch die preußischen Neuerungen in der Verwaltung erwiesen sich nach Schwinden aller Vorurteile als fortschrittlich. Mit der Kleinstaaterei schien es nun endgültig vor- bei zu sein. Die Bismarck'sche Einigungspolitik zielte eindeutig auf eine Reichsgründung hin, ein Vorhaben, das noch 1848 in der Paulskirchenversammlung an der Eifersüchtelei einiger Kleinstaaten und Fürstentümer gescheitert war. Nach dem im Jahre 1870/71 gemeinsam durchgestandenen Krieg gegen den französischen Nachbarn schien die Stimmung in Frankfurt zugunsten Preußens und dem neuen Deutschen Reich umzuschlagen. Von Madai wurde in dieser Zeit zur Integrationsfigur und langsam begannen die Frankfurter, ihn zu mögen. Als ihr „Dicker", wie man ihn fortan liebevoll nannte, 1872 nach Berlin abberufen wurde, empfanden dies viele als einen herben Schlag. Kein geringerer als der damals für seinen satirischen Spott berühmte Mundartdichter Friedrich Stoltze, widmete ihm zum Abschied folgende Verse:
„So leb denn wohl! Empfiehl als fromme Christen und polizeigetreu bis in den Tod
der Huld uns aller künftigen Polizisten, dann hat's um unser Frankfurt keine Not."
Quelle:125 Jahre Polizeipräsidium Frankfurt am Main, Kurt Kraus
