Das Polizeipräsidium im Wandel der Zeit
Gebäudegeschichte
Im Juli 1866 wurde die Freie Stadt in den preußisch- österreichischen Konflikt hineingezogen. Obwohl niemals eine Kriegserklärung erfolgt ist, wurde Frankfurt von preußischen Truppen besetzt und später nach dem Sieg Preußens annektiert.

Die Stadt erhielt eine preußische Polizei mit einem Polizeipräsidenten an der Spitze. Die oberste Institution war das Polizeipräsidium. Da die Preußen zunächst nicht daran dachten, ein besonderes Gebäude zu errichten, griff man zunächst auf vorhandene Einrichtungen zurück. Das preußische Polizeipräsidium wurde im Clesernhof und in der Konstablerwache untergebracht, wo sich vor der Besetzung das Polizeiamt befand. Beide Gebäude sind heute nicht mehr vorhanden, sie wurden anfangs des 19. und am Ende des 20.Jh. abgerissen.
Beim Clesernhof, der sich direkt hinter dem Römer befand, handelte es sich um ein altes Patrizierhaus aus dem Jahre 1686. Es gehörte dem Kaufmann Peter Cleser. Später ging das Gebäude in den Besitz der Stadt über. In der Preußenzeit wurde das Polizeipräsidium zum Inbegriff des Preußenhasses im liberalen Frankfurt. 1882 detonierte unter einem Treppenabsatz ein Sprengkörper und richtete erheblichen Sachschaden an.
Bedingt durch Aufgabenerweiterungen in den 80er Jahren reichten die beiden Dienstgebäude nicht mehr aus. Im Herbst 1886 entstand nach einer Bauzeit von nur zwei Jahren auf der Zeil Nr.60 ein neues Polizeipräsidium. Die Baukosten beliefen sich auf 686.000 Mark. Das Präsidialgebäude war im deutschen Renaissancestil errichtet und gehörte zu den schönsten Bauwerken dieser Bauart. Zum Polizeipräsidium gehörte ein Polizeigefängnis, das teilweise die Zerstörungen im II. Weltkrieg überstanden hat. m Heute ist dort das Polizeigewahrsam untergebracht.
Im Jahre 1910 erhielt Frankfurt durch weitere Eingemeindungen einen erheblichen Gebietszuwachs. Die Zahl der Einwohner stieg auf 417.000 an. Da das Polizeipräsidium keine Erweiterungen mehr zuließ, entstand am Hohenzollernplatz, heute Friedrich-Ebert-Anlage, ein neues Dienstgebäude. Es wurde kurz vor Beginn des I. Weltkrieges (1914) eingeweiht. Das Gebäude auf der Zeil ging in den Besitz der Justiz über. Bis zu seiner Zerstörung bei einem Luftangriff im März 1944 hatte hier das Oberlandesgericht seinen Sitz. In den 60er Jahren erwarb die Firma Hertie dieses Grundstück. In dem neu entstandenen Gebäude hielt zunächst die Zentrale der Firma Einzug. Später ging das Gebäude wieder in den Besitz der Justiz zurück.
Auch das Polizeipräsidium in der Friedrich-Ebert-Anlage wurde im II. Weltkrieg bei Luftangriffen bis zu 70% zerstört, so dass nach Kriegsende die Behörde notdürftig im Allianzgebäude im Kettenhofweg untergebracht werden musste. Erst 1953 war das Polizeipräsidium wieder so hergerichtet, dass es wieder völlig bezogen werden konnte.
Im Dezember 1960 entstand in der Ludwigstraße, direkt hinter dem alten Polizeipräsidium ein Neubau, in dem die Kriminalpolizei untergebracht wurde.
Die ständigen Aufgabenerweiterungen, vor allem nach der Verstaatlichung der kommunalen Frankfurter Polizei im Januar 1974 ließen neuen Raummangel entstehen. Auch der Auszug von Dienststellen in andere Dienstgebäude konnte hieran nichts ändern. Es mussten angrenzende Gebäude in der Hohenstaufenstraße und in der Friedrich-Ebert-Anlage angekauft werden.
Sie waren für eine spätere Erweiterung des Polizeipräsidiums vorgesehen. Doch diese Vorstellungen wurden durch spätere Entwicklungen überholt. Die zu dem Gebäudekomplex gehörenden Dienststellen entsprachen nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Großstadtpolizei.
Nach langem Suchen wurde auf dem ehemaligen PX-Gelände der US.Army in der Eschersheimer Landstraße ein geeigneter Bauplatz gefunden, auf dem nunmehr das neue Dienstgebäude entstand.

